Interview mit
Produzent Werner Possardt
in einem Kölner Südstadt-Cafe

von Rainer Liesenfeld
im August 2002


Mit freundlicher Genehmigung
von
Rainer Liesenfeld
(Quellseite www.pfeilinfo.de)



Bauchschmerzen vor Lachen

In zeitlos süffigem Humor schwelgt Possardts Kultfilm “XAVER

Einen Kassenschlager unter Low-Budget-Bedingungen produzieren? Werner Possardt, der Regisseur des Kultfilm-Klassikers “Xaver”, hat demonstriert, das es funktioniert. Vom Prinzip her. Denn der Film wurde kein Kassenschlager, blieb Geheimtipp. Die deutsche Gesellschaft der Achtziger war alles andere als humorbegabt. Auch Herbigs “Schuh des Manitu” wäre damals am Markt gefloppt. - Heute arbeitet Possardt in Köln als Produzent. Pfeilinfo befragt ihn übers Filmgeschäft.

Pfeilinfo:
“Mei Maschie is hie“. Das lässt sich vom Bayerischen ins Deutsche übersetzen. Aber was sind „bluedige Hännäkrepf?

Possardt:
Blutige Hennen-Hälse. Ein Schimpfwort in Bayern – ein Fluch.


Pfeilinfo:
Zitate aus dem Film “Xaver”. 1985 führten Sie Regie bei dieser skurrilen Alpen-Geschichte mit Sciene-fiction-Elementen. Wer hat das Drehbuch geschrieben?

Possardt:
Bei „Xaver“ war ich Autor, Regisseur und Produzent in einer Person.


Pfeilinfo:
Bitte reißen Sie die Story in kurzen Worten an!

Possardt:
Es ist die Geschichte eines Außerirdischen, der wegen eines technischen Notfalls mit einem Dorfdeppen zusammentrifft, dem Xaver. Die beiden sind Widersachern ausgesetzt, Eberhard und seiner Bande. Zum guten Schluss nimmt der Außerirdische seinen neuen Freund Xaver sowie die Anni mit auf die Reise in den Weltraum.


Pfeilinfo:
An Anni erinnere ich mich nicht. Welche Rolle war das?

Possardt:
Anni hält, gegen den Widerstand der Dorfgemeinschaft, immer zum Außenseiter Xaver, eine Art mütterlicher Beschützertrieb.


Pfeilinfo:
Wie kommt man darauf, einen Film wie „Xaver“ zu drehen?

Possardt:
In Bayern wuchs ich auf. Ich hatte das Bedürfnis, meine Jugend und meine Kindheit dort als Filmstoff zu verarbeiten. Im Grunde sind das alles Szenen aus meiner Kindheit. Beim Blasmusik-Fest im Dorf haben wir als Kinder häufig unter der Bühne gehockt. Eine schöne Beobachtungswarte: Alles mitbekommen, was sich um die Bühne herum abspielt – aber selbst an einem sicheren, geschützten Ort.

------- NEIN, ICH WOLLTE KEINE AUSSAGE! -------

Pfeilinfo:
In den 80ern musste noch jeder Film eine Aussage haben – oder gleich mehrere. Welche Aussage hat „Xaver“?

Possardt:
Nein, ich wollte keine Aussage. Vielleicht gerade deshalb nicht, weil man die Aussage damals mit dieser säuerlichen Moralität forderte. Herausgekommen ist dennoch eine Aussage. Xaver – der Dorfdepp, der Außenseiter. Und dann gewinnt diese Verlierer-Figur durch das Zusammentreffen mit dem Außerirdischen Größe. Die Aussage ist klar: Toleranz. „Jede Jeck iss anders“ sagt man in Kölscher Mundart.


Pfeilinfo:
Felix Mitterer schrieb einen Fernsehvierteiler namens Piefke-Saga. Den letzten Teil dieser Saga präsentierte er als Alpen-Groteske. Sehen Sie eine Verwandtschaft?

Possardt:
Nein. Meine Wurzeln gehen eher in Richtung George Lucas und Steven Spielberg. E.T. fand ich damals grandios, zirka 1981 muss das gewesen sein. In Deutschland möchte ich mich höchstens auf Rainer Werner Fassbender berufen.


Pfeilinfo:
In Bayern wird der Film „Xaver“ nicht unbedingt Zustimmung ausgelöst haben. Immerhin werden die Bayern in ihren traditionellen Klischee-Gebungen heftig verballhornt. Wie waren die Reaktionen?

Possardt:
Anfangs wurden wir an den Drehorten kritisch beäugt. „Die verarschen uns doch!“ Klar, diese Stimmen gab`s! Erst, als wir von den offiziellen Stellen unseren Segen für die Drehs hatten – Landrat, Bürgermeister – da schwenkten auch die Kritiker um: „Na, wenn die da oben das sagen, hat es wohl seine Richtigkeit.“ Als wir vom Landratsamt, gewissermaßen der höchsten Ebene, unsere Unterstützung bekamen, von da an gab`s auch von allen anderen Seiten Zuspruch. Wir drehten ja auch mit Laienschauspielern. Mit Ausnahme des Xaver-Darstellers Rupert Seidel und Carlos Pawlidis, als Außerirdischem, waren alle Darsteller aus der unmittelbaren Umgebung. Und die Leute haben sich richtig ins Zeug gelegt. Zum Beispiel die Motorrad-Gang des bösen Eberhard - alles Motocross-Fahrer aus dem Dorf. Die Action-Szenen mit den fliegenden Motorrädern. Die waren ganz Feuer und Flamme, haben wochenlang dafür trainiert. Ich denke gerade an einen der Jungs: Der bekam richtig Ärger mit seinem Vater, weil er nicht raus aufs Feld fuhr, zur landwirtschaftlichen Arbeit, sondern bei uns am Set sein wollte.
Mittlerweile hat „Xaver“ lokalen Kultstatus. Der Film wird sogar als Argument im Tourismus genutzt: Schaut, bei uns wurd` der „Xaver“ gedreht. Und der Nachwuchs im Dorf ist ganz begeistert, wenn er hört, das die Älteren damals im Film mit dabei waren.

------- FILMFÖRDERUNG: EHER UNPRODUKTIV -------

Pfeilinfo:
Es soll sich um eine Low-Budget-Produktion gehandelt haben. Wieviel hat der Spaß gekostet?

Possardt:
800.000 Mark. Filmförderungsmittel aus Nordrhein-Westfalen waren mit dabei. Das ZDF kaufte damals die Senderechte. Als Verleiher fungierte der Filmverlag der Autoren. – Das allerdings hat sich als Drama erwiesen: Die haben den Film nicht ins Kino gebracht. Es gab zu der Zeit gerade ein Machtgerangel an deren Spitze, was die allgemeine Ausrichtung und die Förderungswürdigkeit anlangte. Hing auch stark mit der politischen Korrektheit der 80er-Jahre zusammen. Eine Zusammenarbeit mit Konstantin-Film wäre mir lieber gewesen. Aus heutiger Sicht kann ich sagen: Filmförderung – das ist eher unproduktiv. Auch deshalb, weil meist sehr gezielt auf den Geschmack der Kritiker und Juroren hingeschrieben wird.


Pfeilinfo:
Dann wäre es so ähnlich wie beim Klagenfurter Wettbewerb im Literaturbetrieb. Man heimst den Preis von der Jury ein, aber ein nennenswertes Lesepublikum existiert nicht. Böse Zungen lästern: Wer in Klagenfurt durchfällt, hat die besten Chancen auf Erfolg.

Possardt: (milde lächelnd)
Ja, da gibt es durchaus Vergleichbarkeiten zu den Wettbewerben im Literaturbetrieb.


Pfeilinfo:
„Xaver“ zeichnet sich eher durch britisches als durch deutsches Humor-Verständnis aus? Wie stehen Sie zum „deutschen Humor“?

Possardt: (leicht säuerlich grinsend):
Gibt`s den?

------- XAVER: HUMOR IN MEHREREN EBENEN -------

Pfeilinfo:
Die Antwort war unvermeidlich.

Possardt:
Was lief damals unter „deutscher Humor“! Didi Hallervorden. Eher die Schenkel-Klopfer-Schiene. Vico von Bülow, sprich Loriot, hat das andere Spektrum, Richtung sophisticated, abgedeckt.
Xaver ging eher in die subversiv-britische Richtung, a la Monty Python. Ich habe allerdings verschiedene Humor-Ebenen anklingen lassen. Die brachiale Form ist ebenso dabei wie die hintergründige. Das hatte den Vorteil, dass die Leute, je nach persönlichem Humor-Verständnis, an ganz unterschiedlichen Stellen zum Lachen gebracht wurden.


Pfeilinfo:
Nach dem Namen Ihres Kultfilms habe ich lange gesucht. Immer, wenn ich ihn jemandem beschrieb, hieß es, das sei eindeutig die Handschrift von Herbert Achternbusch. Wie sehen Sie das?

Possardt:
Ja, Herbert Achternbusch ist da nicht so weit weg. Allerdings ist Achternbusch ein totaler Intellektueller. Zu „Xaver“s Herleitung würde ich eher Karl Valentin nennen, vor allem von der Art des Wortwitzes und von der Umspielung her.


Pfeilinfo:
Loisl-Darsteller Carlos Pavlidis: Was für ein Mensch ist er?

Possardt:
Pavlidis war Franzose. Ich kannte ihn damals von Bochum her, die Theater-Szenerie um Zadeck. Pavlidis hat lange Zeit beim Zirkus als Artist gearbeitet. Der hatte eine Menge Kunststücke drauf: mit der Peitsche eine brennende Zigarette in der Hand eines anderen ausschlagen, solche Dinge. Leider war er starker Raucher und Alkoholiker. Damals, als wir „Xaver“ drehten, war er über 50. Das kam schon mal vor, dass ihn ein Bauer draußen im Feld aufgelesen hat, im Alkohol-Delirium, und ihn bei uns am Set ablieferte: „Der gehört doch zu euch?“ – Wir hatten leider den Kontakt zueinander verloren. Ich hörte dann nur, er verstarb in Paris.


>> WICHTIGE KORREKTUR
Mit Datum 4.12.2003 erhalte ich Mitteilung von Frau Monika Mayer-Pavlidis, ihr Mann sei keineswegs verstorben, sondern erfreue sich bester Gesundheit. - WIR freuen UNS, dass ein Tot-Gewähnter lebt - zudem ein solcher, der eine klasse schauspielerische Leistung abgeliefert hat! <<


------- MUTLOS: DIE ÖFFENTLICH-RECHTLICHEN -------

Pfeilinfo:
„Xaver“, soweit erinnere ich mich, lief vor mehr als zehn Jahren bei einem öffentlich-rechtlichen Sender – zu später Stunde, wenn die ARD sich traut, die besseren Filme zu zeigen. Später hab` ich nie mehr was von dem Film gehört. Auch die Infos im Internet sind spärlich. Wie kommt`s?

Possardt:
Das erste Mal lief er 1990 im ZDF. Das zweite Mal zirka 1994. Und bei 3Sat erst kürzlich.


Pfeilinfo:
Was halten Sie von der Programm-Politik der Öffentlich-Rechtlichen Sendeanstalten?

Possardt (lacht etwas gequält):
Schwere Frage. Ich denke, die sind auf dem Holzweg, wenn sie versuchen, die Privaten zu kopieren. Genau das allerdings entspricht leider dem Zeitgeist. Fernsehen ist ein hochdemokratisches Medium. Die Wahlen entscheiden sich über die Fernbedienung. Im Zweifelsfall läuft es dabei auf Massenunterhaltung hinaus, Quizshows und dann diese ganzen Sachen zum Abschlaffen und Ausspannen. Gerade bei den Öffentlich-Rechtlichen spürt man deutlich, es ist sehr wenig Mut in der Programmplanung. Ist schon ein wenig traurig.


Pfeilinfo:
Ich stimme Ihnen zu. Wer sollte sich bei der Programmplanung Mut leisten, wenn nicht die Öffentlich-Rechtlichen! Schließlich erwächst aus der Absicherung über die Gebührenfinanzierung auch eine Verpflichtung. Das ewig gleiche Argument des Quotendrucks sollten die Öffentlichen doch den Privaten überlassen. Da hat es nämlich seine betriebswirtschaftliche Rechtfertigung.

Aber zur nächsten Frage. Um den Film „Xaver“ haben sich regelrechte Fanclubs gebildet. Im Internet fand ich zum Beispiel den „Xaver-Fanclub Marbach“. Haben Sie dorthin Kontakt?

Possardt:
Nein. Aber ich nehme mir jetzt schon länger vor, mal auf die Fan-Clubs zuzugehen, diese Kontakte zu pflegen. Zugegeben, ich war ein wenig faul.

------- ALLEIN AUF DEM WEG NACH OBEN -------

Pfeilinfo:
In welche Richtung hat sich die deutsche Film-Landschaft seit Mitte der 80er-Jahre verändert?

Possardt:
So richtig viel hat sich nicht verändert. Aber der deutsche Film hat zumindest diese verbiesterte Haltung der Achtziger Jahre verloren: Bloß keine Emotionen. Und immer den Zeigefinger der politischen Korrektheit. In dieser Hinsicht hat sich einiges gebessert. Ansonsten: Es sind immer wieder Einzelkämpfer, die sich nach oben durchschlagen. Ganz anders als in den USA. Dort bringt die breit angelegte Struktur der Filmwirtschaft viel mehr Talente zutage.


Pfeilinfo:
Wie sind die heutigen Bedingungen für Kulturschaffende im Bereich Film / Fernsehen?

Possardt:
Für Freie sind die Bedingungen sehr schwierig. Anders sieht`s schon für Angestellte aus. Durch das Aufkommen der privaten Sender gibt es heute natürlich mehr Jobs als damals, in den frühen Achtzigern. Große Karrieren – das ist in jedem Fall eher fraglich.

------- ERFOLG ALS FRAGE DES TIMINGS -------

Pfeilinfo:
Wie begeistert man einen TV-Sender für seinen Film?

Possardt, lachend:
Ganz einfach: Man liefert den richtigen Stoff im richtigen Moment. Der Stoff muss jedenfalls ins Sender-Konzept passen. Wenn sich ein Sender für den Zeitraum X bis Y entschlossen hat, auf Comedy-Formate zu setzen, dann muss eben Comedy zeitnah angeboten werden. Wenn man als Produzent bereits Darsteller mit bekannten Namen rekrutiert hat, dann bringt das häufig die ausschlaggebenden Pluspunkte.


Pfeilinfo:
Sie sagten, Sie arbeiten nicht mehr als Regisseur, sondern heute ausschließlich als Produzent? Warum?

Possardt:
Anfangs hatte ich mir erhofft, dass „Xaver“ mehr Resonanz haben würde. Der Erfolg lag nicht so fern. Nehmen Sie Michael Herbigs Kinoschlager „Der Schuh des Manitu“...


Pfeilinfo:
Der Film ist genial. Aber vor Herbig gab es schon dutzende Autoren, die Karl May persifliert haben - mit dem bekannten Edel-Getue der Mayschen Helden, den homoerotischen Anspielungen – die ganze Palette eben. Warum hatte ausgerechnet Herbig plötzlich Erfolg mit dem Thema?

Possardt:
Bei Herbigs Produktion war die Zeit offenbar reif dafür. – Anders bei „Xaver“. Für die Achtziger Jahre war der Film nicht ernst genug. Auch ein Grund, warum ich von der Regie wegkam und mich auf die Produzenten-Arbeit konzentrierte. Solange man nicht ausschließlich als Auftragsproduzent arbeitet, ist das eine sehr interessante Arbeit. Allerdings müssen es lohnende Stoffe sein. Vor ein paar Jahren haben wir zum Beispiel für RTL „Die heilige Hure“ produziert. Da ging es um eine Frau, die tags als Seelsorgerin in der Kirche arbeitet, nachts als Domina.

------- DER EINFLUSS DER KIRCHE HÄLT SICH -------

Pfeilinfo:
Ich erinnere mich. Ein klassisch katholisches Thema. Ist denn die gesellschaftliche Macht der Kirche mittlerweile so abgeschwächt, dass man sich unbefangen an das Thema wagen darf?

Possardt:
Der Einfluss der Kirche hält sich -  und zwar in stärkerem Maß, als man zunächst vermuten könnte. Die Einschaltquoten zum Sendetermin waren hervorragend. Allerdings wurde RTL am nächsten Tag mit Protestanrufen bombardiert. Da kochte schon einiges an Empörung hoch. Film ist Krieg.


Pfeilinfo:
Wie alt ist der Krieger nun?

Possardt:
Mein Alter? Einundfünfzig.


Pfeilinfo:
Ihre Lieblings-Regisseure – neben Spielberg und Lucas?

Possardt:
Ernst Lubitsch, Buzz Lurman. Von Lurman stammt zum Beispiel „Strictly ballroom“.


Pfeilinfo:
Wie wird man Regisseur?

Possardt:
In dem man eine Vision hat. Und indem man viel, viel Handwerk lernt.

------- WIE WIRD MAN EIN GUTER DREHBUCH-SCHREIBER? -------

Pfeilinfo:
Und was macht einen guten Drehbuchschreiber aus?

Possardt:
Keine ellenlangen Beschreibungen von Szenen und Personen. Figuren, Typen müssen sich über den Dialog erschließen, über ihre Reaktionen. Sicher, die Figuren-Beschreibung ist notwendig für den Autor. Nur, im Drehbuch selbst hat sie dann nichts verloren.


Pfeilinfo:
Aha. Ansonsten wäre das ein Eingriff in die Arbeit des Regisseurs, eine Art Affront.

Possardt:
Ja, kann man so sagen.


Pfeilinfo:
Sind Drehbuch-Autoren die eher unstrukturierten, „kreativen Spinner“ im Hintergrund?

Possardt:
Im Hintergrund schon. Aber keineswegs unstrukturiert. Fast alle Autoren, die ich kenne, arbeiten sogar extrem strukturiert. Das sieht dann meist so aus, das die Wände im Arbeitsraum des Autors irgendwann mit hunderten Zetteln und Blättern gespickt sind. Auf jedem Zettel eine einzelne Szene, die in zeitlichen und logischen Bezug zu den anderen gesetzt wird.


Pfeilinfo:
Schreiben Drehbuch-Autoren einfach drauf los? Oder müssen sie von vorneherein das Ende kennen?

Possardt:
Ins Blaue hinein zu schreiben, einfach der Inspiration zu folgen und dann zu schauen, was dabei herauskommt, das kriegen nur die wenigsten erfolgreich zustande. Im Regelfall steht die Arbeit ja auch unter einer Zeitvorgabe. Wenn der Autor dann das Ende seiner Handlung selbst noch nicht kennt, dann wird es schwierig.


Pfeilinfo:
Der Kinobesucher interessiert sich kaum für Drehbuchautor und Produzent. Hervorgehoben bleibt immer nur der Regisseur. Wie kommt das?

Possardt:
Der Regisseur wird zu Recht vorgehoben. Jeder Film trägt im wesentlichen die Handschrift des Regisseurs. Er muss das Buch in kürzester Zeit in Bilder umsetzen. Das ist allein schon nötig, weil die Drehs mit hohem technischem und personellem Aufwand stattfinden. Eine sehr stressige Arbeit, die unter Kostendruck abläuft. Wenn sie mehrere Drehorte an einem Tag haben, das ist schon mit Hektik und Hetze verbunden. – Im Vergleich dazu kann der Drehbuchautor sehr ruhig und ohne äußeren Streß arbeiten. Der Autor schaut nur zu den nötigen Arbeitsbesprechungen vorbei. Am Set hat er allerdings nichts verloren.


Pfeilinfo:
Beispiel Vereinigte Staaten. Da haben die Drehbuch-Autoren ein viel größeres Gewicht als hier, in Deutschland.

Possardt:
Ja. Aber nur, weil die Filmwirtschaft in den USA insgesamt eine viel größere Bedeutung hat und weil ihre Strukturen viel stärker sind. Das wirkt sich auch auf Einfluss und Einkommensmöglichkeiten der Autoren aus.


Pfeilinfo:
Ein Autor möchte Ihnen, dem Produzenten, ein Drehbuch anbieten. In welcher Form bevorzugen Sie es?

Possardt:
Am liebsten als Treatment – oder auch direkt als fertiges Drehbuch. Einem Neueinsteiger wird häufig nichts anderes übrigbleiben als zumindest sein erstes Werk vollständig ausgearbeitet anzubieten. Wenn man dann ins Geschäft kommen sollte, reicht es bei Folgearbeiten, wenn man zunächst Exposé oder Treatment anbietet. Dann wurden die Fähigkeiten ja bereits unter Beweis gestellt und ein Vertrauensvorschuss ist gerechtfertigt.


Pfeilinfo:
Bitte berichten Sie über Ihr laufendes Projekt!

Possardt:
Ich habe gerade einen Film für Pro7 betreut. Er heißt „Nachtangst“ und wird Anfang nächsten Jahres auf Pro7 laufen. Der Anknüpfungspunkt findet sich vielleicht bei „Flatliners“ und seinem Thema der Nahtod-Erfahrung. Aber hier geht es um vier Studenten, die in der Schlafforschung arbeiten und in diesem Zusammenhang ein Experiment mit einer Kommilitonin machen. Was passiert, wenn man einem Menschen den Schlaf entzieht? Ein Psychothriller.


Pfeilinfo:
Wir dürfen gespannt sein. Herr Possardt, vielen Dank für das Gespräch.

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